Darüber reden und nicht wegschauen

Die Frage, warum sich junge Menschen extremistischen (und gewaltbereiten) Gruppen anschließen, ist gerade in dieser Zeit von großer Relevanz. In dem Workshop „Digitale Zivilcourage – Präventionsworkshop gegen Extremismus“ untersuchen wir die Hauptfaktoren, die Jugendliche zu gewaltbereitem Extremismus führen können, sowie die Merkmale und Beweggründe des Fanatismus. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Rolle der digitalen Vernetzung und den Einsatz digitaler Medien gelegt.


Gemeinsam erarbeitete die 1. Klasse der GTEMS Anton Sattler Gasse zu Beginn des Workshops Begriffe wie Hetze, Cyber-Mobbing, Fake-Profile und Eingriffe in die Privatsphäre und überlegte, wie ein respektvoller Online-Umgang aussehen kann und was digitale Zivilcourage bedeutet. In gruppendynamischen Übungen konnten die Jugendlichen spielerisch Grenzen erfahren und setzen und gemeinsam erkennen, wie bestimmte Verhaltensweisen entstehen können. Denn im Fokus des Workshops „Digitale Zivilcourage – Präventionsworkshop gegen Extremismus“ steht die Prävention, also wie man mit solchen Situationen umgehen kann und wie es erst gar nicht zu ihnen kommt. „Mein Ziel ist eine Gesellschaft, die Inklusion und gegenseitigen Respekt lebt. Dafür braucht es eine Debatte, die mutig ist und sich nicht vor dem Schlachtruf „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ duckt,“ so Melinda Tamas, Saferinternet.at-Workshopleiterin, Menschenrechtskonsulentin und Expertin für politische Bildungsarbeit. „Darüber reden“ und „Helfen statt wegschauen“ waren am Ende des Workshops auch die wichtigsten Erkenntnisse der Schüler:innen – so haben Hetze und Mobbing keine Chance!

Jugendliche sind in besonderem Maß auf der Suche nach Sinn, nach ihrer gesellschaftlichen und privaten Rolle sowie nach Orientierung. Das dient häufig als Motivation für den Anschluss an extremistische Gruppierungen, denn diese Gruppen bieten Zugehörigkeit. So sind sich die Expert:innen einig, dass es nicht nur einen singulären Auslöser gibt, der Jugendliche dazu verleitet, sich gewalttätig extremistischen Gruppierungen anzunähern. Vielmehr existiert eine Bandbreite an Ursachen wie Gewalterfahrungen, prekäre familiäre Verhältnisse, fehlende Identifikationsfiguren, der Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die Suche nach der eigenen Identität, Erfahrungen von Diskriminierung und Marginalisierung und Erfahrungen von Rassismus. Ideologische Gruppierungen setzen genau an diesen Bedürfnissen an. Gleichzeitig nutzen radikale religiöse Gruppierungen bzw. politisch extreme Gruppen heute immer häufiger das Internet und insbesondere Soziale Netzwerke, um ihr radikales Gedankengut zu verbreiten.

Im Rahmen der bundesweiten Initiative gegen Radikalisierung bietet Saferinternet.at drei neue Workshops zu den Themen Fake News, Menschenrechte im Internet sowie Hassrede & Cyber-Mobbing an. Die Angebote sind hier zu finden und kostenfrei zu buchen.

03.06.2024